03.06.2015

Hafenmanöver - Ablegemanöver mit Mooringleinen

Wie legt man ab wenn die Yacht mit dem Heck an der Mole und Mooring festgemacht ist und der Wind von der Seite kommt?

Zuerst wird die leeseitige Achterleine gelöst und eingeholt, anschliessend das Kommando `Mooring auf slip` und` (luvseitige) Achterleine auf slip` gegeben. Dabei kuppelt der Rudergänger in Leerlaufdrehzahl ein. Schon vor dem Manöver sollte man sich vergewissert haben, daß die Mooring bzw. deren Holeleine nicht quer bzw. zu nahe an dem Propeller unter dem Boot hängt. Die Mooring wird gelöst und die leeseitige Achterleine eingeholt, und mit Feingefuehl die Drehzahl soviel wie noetig erhoeht.

Die luvseitige Heckleine ist jetzt unter Last und das Boot dreht sich langsam nach Steuerbord gegen den Wind, ohne jedoch den Liegeplatz zu verlassen. Dieses langsame ausrichten der Yacht erlaubt es die Mooringleine nach dem Lösen und Überbordwerfen zu beobachten um sicher zu sein, daß sie auf den Grund sinkt. Bei neuen oder von der Sonne ausgetrockneten Mooringleinen dauert dies manchmal bis zu zehn Sekunden oder laenger. Wenn Sie jetzt hastig ablegen ohne auf die Mooring zu achten ...stehen die Chancen gut die Mooring in den Propeller zu bekommen. 

Sobald das Boot wie gewünscht ausgerichtet  ist  -  möglicherweise ist der Raum vor dem Liegeplatz eingeschränkt - gibt der Rudergänger das Kommando ` Heckleine los und einholen`. Das Boot nimmt augenblicklich Fahrt auf und hat von Beginn an gute Ruderwirkung.


Das langsame ausrichten und drehen des Boots nach Luv mittels `eindampfen in die Achterleine` ist sicherer und kontrollierter als alle Festmacher und Mooring gleichzeitig zu lösen und dann hektisch loszufahren (weil ansonsten das Boot vertreibt). 

Falls nach Verlassen des Liegeplatzes wenig Raum zur Verfügung steht um die Kurve zu fahren (nicht zu eng an den Mooringleinen der Nachbarboote vorbeifahren...!) ist das Manövrierverhalten des Boots zu berücksichtigen; bei rechtsgängigem Propeller ist bei Vorausfahrt in der Regel der Wendekreis über Steuerbord (in Vorausfahrt) etwas grösser  als über Backbord, und bei Rückwärtsfahrt versetzt der dann links herum drehende Propeller das Heck nach Backbord.
 Je nach Bootstyp, Ruderkonfiguration und Art des Propellers ist der Radeffekt unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei einem Saildrive ist der Radeffekt meistens minimal.
Wenn man das Manövrierverhalten eines Boots nicht schon kennt empfiehlt es sich auf freier Wasserfläche und wenig Welle alle Manöver zu üben die man beim Anlegen im Hafen möglicherweise fahren wird: Drehen auf engstem Raum, Wenden über Steuerbord, Wenden über Backbord, Rückwärtsfahrt zielgenau , eindrehen rückwärts nach Steuerbord und Backbord und natürlich aufstoppen in Rückwärts- und Vorwärtsfahrt.  Wie verhält sich das Boot bei Wind und wenig Fahrt?
Fast alle Boote drehen sich mit dem Heck in den Wind wenn die Maschine mit Leerlaufdrehzahl rückwärts eingekuppelt ist.
Prüfen Sie nach ob das Boot dies tut.
Im oder vor dem Hafen in geschütztem Wasser ist dies eine effektive Massnahmen um auf 'stand-by' zu gehen, und beispielsweise Fender und Festmacher anzuschlagen.

Leinenhandling: auf slip nehmen bedeutet  soviel Tauwerk auf der Klampe zu belassen, daß man mit leichtem Zug genug Reibung bewirkt, aber auch bereit zum Fieren und/oder einholen des Festmachers ist .

Ein Faktor der beim Ablegen zu bedenken ist: der DREHPUNKT einer Segelyacht liegt nahe hinter dem Mast, oder annaehernd in der Mitte der Lateralflaeche (Kiel). Also schwenkt beim Ruderlegen das Heck aus aber auch der Bug. Beim Eindampfen in die Achterleine liegt der Drehpunkt jedoch ausserhalb - und zwar AM POLLER oder der Stegklampe.
 Das beschriebene Manöver ist auch sinnvoll wenn man keinen Seitenwind hat. Das ausrichten des Boots kann den Kurvenradius verringern, ausserdem läuft man weniger Gefahr mit dem Heck an einem Nachbarlieger entlangzuscheuern.

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